1614-1886

1887-1898

1899-1917

1918-1938

1939-1945

1946-1989

1990-1999

2000-


1614 bis 1886

 

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Bereits in „Öder´s Karte“ aus dem Jahre 1614 ist der Steinberg als Bruch erwähnt. Schon in dieser Zeit holten sich die Dorfbewohner aus Röcknitz und Treben aus dem sogenannten Bauernbruch am Steinberg Material für den Hausbau. Mit dem Bau der ersten deutschen Ferneisenbahnstrecke von Leipzig nach Dresden begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der systematische Steinabbau. Durch die zunehmende Industrialisierung seit den Gründerjahren wurden für den Ausbau des Verkehrsnetzes immer größere Mengen Steinmaterial benötigt. Der anstehende Pyroxenquarzporphyr eignete sich wegen seiner hohen Druckfestigkeit und anderer gesteinstechnisch guter Eigenschaften besonders für die Herstellung von Pflastersteinen sowie in zunehmendem Maße für Packlager und Steinschlag. So etwa bis zum Jahre 1850 erfolgte die Steingewinnung und die Verladung der Steine manuell. Der Transport des Steinmaterials im Steinbruch selbst geschah mittels Holzschubkarren. Pferdefuhrwerke beförderten die Steine zum Abnehmer oder zur nächstgelegenen Bahnstation. Für Röcknitz war das lange Zeit die Bahnstation Mockrehna, die an der Preußischen Staatsbahn Halle – Guben lag. Vom Jahr 1874 liegt eine Beschreibung des Geologen C. F. Naumann vor, in der er die Hohburger Berge als „...noch unversehrt...“ erwähnte. Lediglich, so erwähnte der Geologe, in den sogenannten Bauernbrüchen am Steinberg bei Röcknitz und am Spielberg bei Böhlitz wurde Gestein für den Hausbau gebrochen. Bereits im Jahre 1882 war in der Geologischen Spezialkarte des Königreiches Sachsen der ursprünglich 214 m hohe Zinkenberg als Bauernbruch ausgewiesen.

1887 bis 1898

 

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Im Jahr 1887 begann der Schnittwarenhändler Wenzel aus Lüptitz mit dem Steinabbau am oberen Steinberg. An diesem Steinbruch beteiligte sich später Hermann Weißhorn. Ein Jahr darauf, 1888, begann der oben genannte Herr Wenzel mit dem Gesteinsabbau am Spielberg in Böhlitz. Die Anzahl der Abbaustellen stieg in den folgenden Jahren rapide an. Carl Halbach, ein Schmiedegeselle, eröffnet 1890 einen Steinbruch am Gaudlitzberg. Später versuchte er das auch am unteren Steinberg. Im gleichen Jahr fing Franz Wolf aus Röcknitz am Zinkenberg mit dem Abbau an. Ein Jahr danach, 1891, wurde der Frauenberg gleich an mehreren Stellen angegangen. Dort versuchten sich die Herren Übe, Wolf, Kramer, Höhne, Halbach und Weißhorn im Abbau an der Großzschepaer Seite. 

Mit einem heutigen Steinbruch kann man diese ersten zögerlichen Versuche natürlich nicht vergleichen. Der Unternehmer besaß damals nur Steinböcke und Schuttkarren und alle anderen, egal ob Brecher, so nannten sich diejenigen, die direkt an der Felswand arbeiteten, oder Hilfsarbeiter, mussten sich ihr Handwerkszeug selbst mitbringen. Zur Gewinnung und Bearbeitung des harten Gesteins standen den Steinarbeitern anfangs nur einfache Handwerkszeuge zur Verfügung. Neben Bohr- und Brechstangen, Eisenkeilen, Spitzhacken und Steingabeln waren die Hämmer das wichtigste Werkzeug. Mühevoll bohrten die Steinbrecher Sprenglöcher, damit das Gestein vom Felsmassiv gelöst werden konnte. Nach der Sprengung wurden die größeren Brocken zerkleinert und zur Weiterverarbeitung abtransportiert. Bald merkte man, dass das gewonnene Gestein aus den umliegenden Brüchen von guter Qualität war und fing an, neben dem herkömmlichen Material auch Reihensteine anzufertigen. Diese Tätigkeit übernahmen die Putzer, August Grau und August Thomas waren die ersten, die dann später als Bossierer bezeichnet wurden. Sie schlugen mit dem Fäustel die maßgerechten Pflastersteine zu. Ein guter Bossierer schaffte damals an seinem 10- bis 12-stündigen Arbeitstag ca. 300 Pflastersteine. Zu den besonders schweren Arbeiten zählte der Transport des Steinmaterials mit Holzkarren aus dem Bruchloch heraus. Diese Arbeit ist uns auch als „Steinbockfahren“ bekannt. So etwa ab 1890/91 verbesserten sich die Arbeitsbedingungen in den Steinbrüchen durch den Einsatz von Kipploren auf Gleisen. Eine Beladung und Verschiebung der Loren erfolgte jedoch immer noch per Hand. Mit dem fortschreitenden Abbau wurden die Steinbrüche immer tiefer und es entstanden die ersten Schrägaufzüge, auf denen mittels einer feststehenden Dampfwinde die beladenen Loren aus dem Steinbruch gezogen wurden. Später wurden die Dampfwinden durch Elektromotoren angetrieben. 

1892 legte der Thammenhainer Rittergutsbesitzer, Kammerherr Adolf Freiherr von Schönberg, am Südrand des Löbenberges in Hohburg einen Steinbruch an. Ein Jahr darauf eröffnete er am Gaudlitzberg einen weiteren Steinbruch. Die vielen neueröffneten Steinbrüche hatten nun unmittelbar zur Folge, dass das Gewerbe der Schmiede in Röcknitz, in Treben und in den anderen Orten der Steinbruchsindustrie aufblühte. Allein in den beiden genannten Orten gab es innerhalb kurzer Zeit 5 Schmieden, die das Schärfen der verschiedenen Werkzeuge übernahmen. 

1896 ließ der Thammenhainer Rittergutsbesitzer, Kammerherr Adolf Freiherr von Schönberg, dem der Gesteinsabbau am Zinken- und Gaudlitzberg unterstand, eine 8,5 km lange Privateisenbahn von den Röcknitzer Steinbrüchen nach Doberschütz, das von der Preußischen Staatsbahn Halle - Sorau - Guben tangiert wurde, bauen. Die Steingroßhandlung Worch & Co. aus Berlin pachtete im Jahr 1896 den Steinberg, worauf in den beiden Brüchen nun auch die Herstellung von Reihenpflaster einsetzte. Durch den Eisenbahnbau gewann der Grobschlag jedoch zunehmend an Bedeutung. Damit dieses Produkt in größeren Mengen hergestellt werden konnte, waren jedoch maschinelle Steinbrechanlagen notwendig. Die Steingroßhandlung Worch & Co Berlin stellte 1897 den ersten Brecher zur maschinellen Zerkleinerung von Quarz-Porphyr am Steinberg auf. Weitere Brecher folgten 1900 am Gaudlitzberg, 1902 am Zinkenberg und ebenfalls 1902 am Frauenberg. Am kleinen Gaudlitzberg wurde 1897 ein weiterer Steinbruch eröffnet. Im gleichen Jahr noch baute man am Gaudlitzberg eine Schmiede, die Justin Richter aus Röcknitz in eigener Regie betrieb. So etwa zu dieser Zeit wurde der Name Röcknitz auch in der weiteren Gegend bekannt. Er bekam also eine wirtschaftliche Bedeutung, denn sowohl die Fuhrleute von Wurzen und Eilenburg als auch die Bauern aus dem Ort fuhren die Steine bei Wind und Wetter ab. Die Privateisenbahn von Röcknitz nach Doberschütz erwies sich schnell als richtige Investition, denn bereits im Jahr 1898 wurden mit ihr 7.947 Wagenladungen transportiert. In den Schönberg´schen Steinbrüchen war in diesem Jahre eine Gesamtproduktion von 18.816 Tonnen Steine zu verzeichnen. Die Eisenbahn, mit ihrer ortsnahen Streckenführung, kam nun natürlich auch dem Rittergut und dem Ort Röcknitz für den Güterverkehr zugute. Die Unternehmer, die am Steinberg und Frauenberg ihre Betriebe hatten, waren durch Vertrag gebunden, ihre Erzeugnisse mit dieser Bahn zu befördern. Aus den „Abfällen“ der Reihensteinbossierer wurden ab dem Jahr 1898 die Kleinpflastersteine hergestellt. Der Herr Worch hatte in Berlin Leute angelernt, einer von ihnen war Karl Devoske, und schickte diese nun in die Röcknitzer Betriebe. 


1899 bis 1917

 

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Mit dem 01. Mai 1899 verkaufte der Freiherr Baron Adolf von Schönberg zu Thammenhain seine Steinbrüche sowie die Privateisenbahn Röcknitz - Doberschütz zu einem Preis von 1,3 Millionen Mark. Daraus ergab sich der Zusammenschluss der einzelnen Unternehmen der Steinbruchsindustrie um Röcknitz zur „Hohburger Quarz - Porphyr - Werke AG Röcknitz“. Die Eröffnungsbilanz wies immerhin 1,58 Millionen Mark aus. Den Vorsitz des Aufsichtsrates übernahm Kammerherr Adolf Freiherr von Schönberg selbst, Vorstandsdirektor wurde Joseph Lutzny und als Prokurist wurde der Herr Brinkmann eingetragen. Auch Dr. phil. Karl Alfred von Wächter, Rittergutsbesitzer auf Röcknitz und Sohn des Prof. Dr. jur. phil. Karl Georg von Wächter, gehörte u.a. mit zum Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft. Am 01. Oktober 1899 erfolgte die Übernahme des Frauenberges mit Anschluss an die normalspurige Privateisenbahn. Das erforderte eine Verlängerung des Gleises um 1.026 m. Die Eröffnung eines weiteren Steinbruches am Gaudlitzberg und die Verlängerung der Privateisenbahn um 675 m fanden ebenfalls im Jahre 1899 statt. 

Die von Norden her immer stärker auf den Markt drängende schwedische „Concurrenz“ rief nun eine abflauende Preistendenz hervor. Zum Schutz der Preise des einheimischen Materials wurden vom Reichstage neue Zolltarife beschlossen. 1901 wurden auch „maschinelle Anlagen“, sprich Bohrmaschinen, zur Steingewinnung am Felsen des Frauenberges angeschafft. Eine ganze Anzahl weiterer Lieferaufträge konnten durch den im Jahre 1902 beginnenden Neubau des Leipziger Hauptbahnhofes abgeschlossen werden. 1903 wurde die erste Kompressoren-Anlage am Frauenberg in Betrieb genommen. Zu dieser Zeit waren bereits 20 Bohrmaschinen, denen durch einen 18 cbm umfassenden Kompressor komprimierte Luft zugeführt wurde, im Einsatz. Der Antrieb des Kompressors erfolgte durch Lokomobile, die mit Braunkohle befeuert wurden. 

Der Ort Röcknitz bekam im Jahr 1908 elektrischen Strom. Dabei wurde der Betrieb am Frauenberg mit an das Stromnetz angeschlossen. Nun wurden auch die Antriebe der Kompressoren auf dem Frauenberg über Elektromotoren realisiert.  Ab dem Jahre 1911 wurden nun auch zu den Röcknitzer Steinbrüchen Hochspannungsleitungen von der Elektrizitätsversorgung Wurzen-Land GmbH gezogen, so dass diese im Jahr darauf mit Strom beliefert werden konnten. Daraufhin begann die allmähliche Umstellung der Antriebe auf der Basis von Elektromotoren. 

Die Jahre 1912 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges müssen wohl für den damaligen Geschäftsumfang als die besten bezeichnet werden. In diesen Jahren kam es sehr häufig vor, dass die Züge sogar nach 23.00 Uhr noch unterwegs nach Doberschütz waren. Damals kamen ständig drei Lokomotiven zum Einsatz. 1914 kam zur Unterstützung des Direktor Lutzny der Inspektor Hahne nach Röcknitz. Er war vorher mit der Leitung der Hohnstädter Betriebe beauftragt. Die Belegschaftsstärke betrug zu dieser Zeit ca. 800 Mann und lag manchmal sogar noch darüber. Eine höhere Anzahl von Wagenladungen auf der Privateisenbahn verhinderten die Verfrachtungssperre im August und die längere Zeit andauernde Beschränkung der Verfrachtung. Der I. Weltkrieg brach aus und die stetige Aufwärtsentwicklung wurde abrupt beendet.


1918 bis 1938

 

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Das Wirtschaftsergebnis vom Jahr 1918 wurde als wenig befriedigend bezeichnet. „Grund zu diesem ungünstigen Ergebnis war die Wirkung des Weltkrieges auf das Wirtschaftsleben überhaupt, insbesondere aber der unglückliche Ausgang des Krieges. Da 452 Mann unserer Belegschaft zum Heeresdienst einberufen waren, so ging die Produktion auf weniger als derselben in Friedenszeiten herab, ebenso auch folgerichtig der Verkauf an Steinen.“ Von der einberufenen Belegschaft erlitten 50 Mann den „Heldentod fürs Vaterland“. Während des Krieges mussten vielfach die Frauen in täglich 10stündiger Arbeit die schwere Arbeit der Männer übernehmen. 

Für die Fortführung des Gesteinsabbaues lagen sichtlich schlechte Bedingungen vor. Pulver gab es keines mehr und man war auf Sprengstoff in Patronen angewiesen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Felswand hatte. Alle betrieblichen Ersatzteile, besonders jedoch Stahl, Eisen und Gleise, fehlten. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch dazu übergegangen, dass das Handwerkszeug vom Betrieb gestellt wurde. Nach dem 1. Weltkrieg wurden für viele Unternehmen Reparationslieferungen an die Siegermächte angeordnet. So mussten die Steinbrüche ihr bearbeitetes Material nach Frankreich liefern. Die Reparationslieferungen an Frankreich wurden erst im Jahre 1921 eingestellt.

Im Mai 1924 fanden in beiden Röcknitzer Gasthöfen die Feierlichkeiten zum 25jährigen Bestehen der Hohburger Quarz-Porphyr-Werke AG Röcknitz statt. Aus dem Bericht der Direktion der Aktiengesellschaft ging damals hervor, dass in diesen ersten 25 Jahren mehr als 2,5 Millionen cbm Steinmaterial produziert und in mehr als 350.000 Waggons verladen wurden. Im Jahr 1925 begann der Bau eines neuen Schotterwerkes am Zinkenberg. Bestanden die ersten Schotterwerke noch aus aufwendigen Holzkonstruktionen, so wurden sie ab Mitte der 20er Jahre hauptsächlich aus Stahlbeton gebaut. 

Ein Fakt, der auf die Produktion in den Steinbrüchen große Auswirkungen haben sollte, trat im Jahr 1925 erstmals auf. Seitens der Behörden wurden in letzter Zeit umfangreiche Versuche mit „Kunststraßen“, sprich Teerstraßen, gemacht. 1927 wurde die Eisenbahnlinie Wurzen - Eilenburg fertiggestellt und neben dem Frauenberg eine Güterhaltestelle errichtet, die den bisherigen Weg zur Übergabestation abkürzte. Eine Anschlussgleisanlage vom Frauenberg zum Werkbahnhof Collmen-Böhlitz I wurde ebenfalls in Betrieb genommen. Infolgedessen kam eine 5 km lange Teilstrecke der Eisenbahnlinie Röcknitz - Doberschütz zum Abbruch. In den Monaten Januar bis März 1929 mussten sämtliche Betriebe aufgrund der abnormen Kälte stillgelegt werden. In dieser Zeit traten in Deutschland Temperaturen unter –30°C auf. Immer weniger Pflastersteine wurden nun für den Straßenbau verwendet. Teerstrassen bekamen nun den Vorzug. Wegen Absatzmangel wurden Anfang Dezember alle Betriebe stillgelegt. Das hatte letztendlich zur Folge, dass ab 1930 die Arbeit am Steinberg nicht wieder aufgenommen wurde. Nun wurde vorwiegend Schotter verlangt. 

Nachdem im Besitz der Aktien große Veränderungen vor sich gegangen waren, nahm ein neuer Großaktionär aus Hannover, Hermann Wegener, die Geschicke der Aktiengesellschaft in die Hand. Da bereits im ersten Halbjahr 1931 in der Firma Rudolph Ebert & Co., Altenhain, eine größere rationelle Schotteranlage entstanden war, wurde der Entschluss gefasst, das Schotterwerk am Zinkenberg auszubauen. Nach dem Plan des Ingenieurs Hörig wurde die bestehende Schotteranlage teilweise abgerissen und anschließend neu aufgebaut. Als Bauleiter kam Ludwig Helmerking, der aus der Nähe von Hannover kam und später die Betriebsleitung übernahm. Die Nachfrage nach Edelsplitten für den Autobahnbau sorgten in der Hohburger Quarz-Porphyr-Werke AG Röcknitz, wie auch in zahlreichen anderen Steinbruchsbetrieben, für größere Aufträge in den Büchern. Deshalb wurde im Steinbruch Zinkenberg eine neue Feinsplittanlage errichtet und 1934 in Betrieb genommen. Neben dem leistungsstarken Schotterwerk und der neuen Feinsplittanlage wurde später, entsprechend der wirtschaftlichen Erfordernisse, eine Teersplittmischanlage errichtet. Die Zeit von 1933 bis 1936 konnte damals als zweiter Aufstieg der Aktiengesellschaft bezeichnet werden. Die Hohburger Quarz-Porphyr-Werke AG Röcknitz konnte sich mit ihren gesamten Betriebsanlagen in die Reihe aller modernen Großbetriebe stellen. Durch weitere Technisierung der Betriebsanlagen konnte der Umsatz in hochwertigen Steinprodukten im Jahr 1937 wesentlich erhöht werden. Für die Verladung des Gesteins kamen erstmalig Unterflurbänder zum Einsatz.
Am Frauenberg musste 1937 die alte „Knackmaschine“ von 1902 einem neuen Schotterwerk mit Splittanlage weichen. Die Umbauten, die zu Beginn der 30er Jahre nach und nach in allen Betriebsteilen durchgeführt wurden, machten sich nun um so mehr bezahlt.


1939 bis 1945

 

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Hatten verschiedene staatliche Regulierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren einen ökonomischen Aufschwung gebracht, so machte nun der Ausbruch des II. Weltkrieges eine weitere Entwicklung unmöglich. Die Fertigung und der Absatz der Erzeugnisse wurde nun durch kriegswirtschaftliche Lenkungsmaßnahmen beeinflusst. Während des Krieges, so etwa ab 1942, arbeiteten viele Kriegsgefangene in den Steinbrüchen. Im Steinbruch Zinkenberg waren das ca. 30 sowjetische als auch englische Kriegsgefangene aus dem Lager Mühlberg, die für alle anfallenden Arbeiten herangezogen wurden. In der Nähe von Röcknitz fielen im Oktober 1943 nach Angriffen anglo-amerikanischer Bomber einige Luftminen, die jedoch keine größeren Schäden anrichten. Eine von denen landete in der Sandhalde am Zinkenberg, explodierte durch den weichen Aufprall jedoch nicht und konnte kurz danach entschärft werden. Die Produktion in den Betrieben gestaltete sich in dieser Zeit jedoch immer schwieriger. Viele Männer waren im Krieg. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und an Hilfskräften konnte nicht mehr ausgeglichen werden. Die Stammbelegschaft hatte teilweise das arbeitspflichtige Alter überschritten. Im weiteren Verlauf des II. Weltkrieges wurde das ganze Land schließlich in eine Katastrophe unbeschreiblichen Ausmaßes gestürzt. Nach Beendigung des Krieges im Jahre 1945 wurde die Produktion in den Steinbrüchen zunächst gestoppt. Viele Arbeitskräfte mussten in der Landwirtschaft arbeiten, um die Versorgung der Bevölkerung in diesen schlechten Zeiten zu verbessern. 

1946 bis 1989

 

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Zum 01. Juli 1946 wurden die Steinbruchfirmen enteignet und entsprechend der Weisungen der Sowjetischen Militäradministration SMAD in Volkseigentum überführt. Aus den hiesigen Steinbrüchen entstanden der VEB Quarz-Porphyrwerke Lüptitz und die Quarz-Porphyrwerke Collmen-Böhlitz. Mit sehr wenig Beschäftigten wurde die Produktion in den Steinbrüchen wieder aufgenommen - am Zinkenberg waren das 6 Mann. Erst nach und nach erhöhte sich die Anzahl der Beschäftigten wieder. Durch Zusammenlegungen entstanden 1950/51 die Quarz-Porphyr-Werke Collmen-Böhlitz, die Quarz-Porphyr-Werke Lüptitz und die Vereinigten Hartsteinwerke Hohnstädt. 

Die Transport- und Verladetechnologien in der Splitt- und Schotterproduktion wurden Mitte der 50er Jahre grundlegend umgestaltet. Mit dem Einsatz von Löffelbaggern und schweren Lastkraftwagen, zunächst waren das Dumper mit einer Zuladungsmöglichkeit von 4 Tonnen, wurde der Transport des abgesprengten Gesteines von der Bruchwand zum Vorbrecher wesentlich rationeller. Bis zum Jahr 1955 lagen die Produktionsanteile von Pflastersteinen und Schotter und Splitt bei jeweils 50 %. Diese Anteile verschoben sich nun jedoch immer mehr in Richtung Schotter/Splitt. Am Zinkenberg wurde 1956 mit dem Bau einer neuen Vorbrecheranlage begonnen. Seit Mitte der 50er Jahre erhielt der Steinabbau ein völlig neues Gepräge. Durch die Vollmechanisierung der Brüche entfiel die schwere körperliche Arbeit am Haufwerk. Handbohrhämmer wurden nun durch Bohrwagen mit Langlochbohrern ersetzt. Das abgesprengte Steinmaterial wurde seither von Löffelbaggern auf mobile Fahrzeuge verladen und zum Vorbrecher gebracht. Über den anfänglich eingesetzten 4-Tonnen-Dumper erfolgte der Transport mit den Hinterkippern KRAS und MAS. Zudem wurden die Aufbereitungsanlagen vergrößert und modernisiert. Nach dem Durchlaufen des Vorbrechers, der nun bis zu 2,5 Tonnen schwere Brocken aufnehmen konnte, gelangte das Gestein mit Transportbändern über den Stückgutscheider zu den Nachbrecherstufen, anschließend über entsprechende Sieb-„Straßen“ und von dort in die Silos bzw. Freilager. Zu Beginn des Jahres 1963, am 01. Januar, wurden die beiden Betriebe, Quarz-Porphyr-Werke Collmen-Böhlitz und Quarz-Porphyr-Werke Lüptitz, zum VEB Splitt-und Schotterwerke Collmen-Böhlitz / Röcknitz vereinigt. 1964 wurde das Neuwerk Dornreichenbach errichtet. 
Zum 01. Januar 1970 entstand aus den Betrieben Splitt- und Schotterwerke Collmen-Böhlitz und Hartsteinwerke Hohnstädt das Splittwerk Röcknitz-Hohnstädt mit den Betriebsabteilungen Zinkenberg, Holzberg, Lüptitz, Dornreichenbach, Hohnstädt, Großsteinberg und Trebsen sowie dem Kieswerk Ammelshain und unterstand fortan dem VVB Zuschlagstoffe und Natursteine Dresden. Außerdem gehörte der Kirchbruch bei Wildschütz dazu. Er wurde allerdings Ende Dezember des gleichen Jahres geschlossen. 
Die Mechanisierung in den Steinbrüchen schritt immer weiter voran. Die Lastkraftwagen mit 10 Tonnen möglicher Zuladung mussten schließlich den sowjetischen BELAS (27-Tonner) weichen. Ähnliche Entwicklungen traten beim Einsatz der Bagger ein, welche das Rohmaterial nach der Sprengung aufnahmen. In dieser Zeit veränderten eine ganze Reihe Rationalisierungsmaßnahmen das Betriebsbild . Die zweifellos bedeutendste Neuerung war die Schotter- und Splittanlage in Trebsen mit einem Investitionsaufwand von 38 Millionen Mark. Auch die für 20 Millionen Mark umgebaute Aufbereitungsanlage in Lüptitz wurde mit zentraler Steuerung versehen. Im Tagebau kamen neu entwickelte Bohrraupen zum Einsatz.  Die Splittproduktion im Betrieb Zinkenberg wurde ab 1981 ganz eingestellt und ab 1983 begann die allmähliche Verschrottung der einzelnen Anlagen. Im Dezember 1983 wurde die Genehmigung zur „Inbetriebnahme“ des neuen Sprengstofflagers erteilt. Das alte Sprengstofflager am Frauenberg musste dem Tagebau weichen. Mitte der 80er Jahre spürten auch die Steinbrüche die sich immer mehr verschärfende Krise der staatlich gelenkten Planwirtschaft. Immer komplizierter wurden neue Investitionen, der Ankauf von Maschinen und die Ersatzteilbeschaffung. Oft blieb nichts anderes übrig, als die Anlagen auf Verschleiß zu fahren. Eine große Anzahl von Instandhaltungsmechanikern und Handwerkern wurde zwangsläufig erforderlich. In den Jahren vor der Wiedervereinigung Deutschlands wurden pro Jahr bis zu 6 Millionen Tonnen Gestein abgebaut.


1990 bis 1999

 

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Mit den gesellschaftlichen Veränderungen 1989/90, in deren Ergebnis die beiden deutschen Staaten zur Einheit fanden, kam es zur Auflösung des Kombinates „Zuschlagstoffe und Natursteine“, zu dem das Splittwerk Röcknitz-Hohnstädt gehörte. Sofort bemühte sich der Betrieb, eine eigenständige GmbH zu gründen. Das erfolgte unter Regie der Treuhandgesellschaft am 26. Juni 1990 mit der Bezeichnung „Sächsische Quarzporphyr-Werke GmbH Röcknitz“. Da in dieser Umbruchphase kaum staatliche Gelder für den Straßenbau zur Verfügung gestellt wurden, hatte das neu gegründete Unternehmen von Juli 1990 bis April 1991 große Schwierigkeiten zu überstehen. 

Durch den im April / Mai 1991 einsetzenden Aufschwung im Straßenwesen verbesserten sich die finanziellen Möglichkeiten der Firma, so dass mit verschiedenen Erneuerungsmaßnahmen begonnen werden konnte. Dabei entstanden intensive Kontakte zu Vertretern der Philipp Holzmann AG. Am 19. November 1991 ist die Sächsische Quarzporphyr-Werke GmbH Röcknitz mit Geschäftsanteils-, Bergwerkeigentums-, Kauf- und Abtretungsvertrag von der Treuhandanstalt Berlin als Verkäufer an die Hartsteinwerke Sachsen GmbH & Co. KG Röcknitz als Käufer verkauft worden. Die Philipp Holzmann AG und ein mittelständisches Unternehmen, die Firma Setz, übernahmen die hiesigen Betriebe. Nach der Übernahme und der ersten Gesellschafterversammlung am 18. Dezember 1991 wurden umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen in Angriff genommen. Besonders erwähnenswert ist, dass das Unternehmen die Standortsicherung ohne Fördermittel, also aus eigener Kraft, gestaltet hat. Investitionen wurden vorwiegend für neue Verlade- und Transporttechnologien getätigt. 30-, 45- und sogar 60-Tonnen-TEREX-Kipper aus schottischer Herstellung kamen nun zum Einsatz. Im gesamten Absatz drehten sich nun die Transportverhältnisse ins Gegenteil um. Waren es vor 1989 noch über 80 % der Gesamtproduktion, die über den Bahnversand zum Kunden gelangten, so wurde der gleiche Anteil nun mit Schwerlastkraftwagen auf der Straße zu den Bestimmungsorten gebracht. In Lüptitz wurde im Oktober 1994 ein Neuwerk zur Herstellung von Schotter- und Splitterzeugnissen, welches 27 Millionen DM gekostet hat, eingeweiht. 


2000 bis

 

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Die Förderung und Verarbeitung des Gesteins wurde immer mehr technisiert. Leistungsstarke Bohrtechnik, modernste Radlader und Transportfahrzeuge, neue Brech- und Siebanlagen, verbesserte Steuertechnologien, exakte Wiegetechnik usw. lösten ältere Technik ab. Das alles führte aber auch dazu, dass die Zahl der Beschäftigten erheblich reduziert wurde. Im Hintergrund dieser Entwicklung standen jedoch nicht nur die verbesserten Arbeitsbedingungen für die gewerblichen Arbeitnehmer in den einzelnen Werken. Auch in der Arbeitsweise der Firmenverwaltung gab es gewaltige Veränderungen, die die Auflösung ganzer Abteilungen mit sich brachten. Im Verwaltungsbereich wird heute mit moderner Computertechnik und anspruchsvoller Software eine exakt geführte Buchhaltung mit all ihren einzelnen Bereichen realisiert. Auch in den Bereichen der Anlagenbuchhaltung, der Materialbeschaffung und erst recht bei der täglichen Arbeit im Sekretariat ist die Unterstützung durch moderne Rechentechnik nicht mehr wegzudenken. Solche Tätigkeiten, wie das Verschicken und Empfangen von E-Mails, wie der Datenaustausch über die Telefonleitungen oder wie das Versenden von Dokumenten per Fax direkt aus dem Computer am Arbeitsplatz sind zu alltäglichen Dingen geworden.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Modernisierung unserer Betriebe im wesentlichen abgeschlossen. Die Sächsische Quarzporphyr-Werke GmbH ist damit ein sehr leistungsfähiges Steinbruchsunternehmen, das mit einer Leistung von über 30.000 t Schotter und Splitt pro Beschäftigten über den Durchschnittsergebnissen der Bundesrepublik liegt. Verglichen mit den Ergebnissen vor 1990 konnte die Arbeitsproduktivität in unserem Unternehmen vervielfacht werden.
Das Investitionsgeschehen in unserem Unternehmen verlagerte sich nach Abschluss der Modernisierung mehr und mehr auf die Ersatz- bzw. Erneuerungsinvestitionen. Nach einem erneuten Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt stand die Philipp Holzmann AG im Jahr 2002 wegen Zahlungsunfähigkeit vor dem Aus.
Sieben Monate später, am 21.10.2002 wurde die Deutsche Asphalt GmbH, mit ihr zusammen die SQW GmbH Röcknitz und die SHV mbH Röcknitz, an die BASALT AG verkauft.

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