Besiedlungsgeschichte

Grundlagen

Vorgeschichte

Besiedlung

Ersterwähnung

Wüste Marken


Die
natürlichen
Grundlagen

 

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Röcknitz liegt im Urstromtal zur Elbe. Im Süden grenzen wir an die Hohburger Berge. Sie sind vulkanischen Ursprungs und brachten den harten Quarzporphyr hervor. Die markanteste Erhebung in Ortsnähe ist der bewaldete 154,9 m hohe Steinberg. Aus ihm wurde bereits vor Jahrhunderten Gestein für den Hausbau gebrochen. Vom nahegelegenen heute 219,9 m hohen Gaudlitzberg eröffnet sich ein weiter, unbeschreiblich schöner Blick in das Leipziger Tiefland. Im Westen ist unser Ort von mehreren Bergen um Böhlitz begrenzt, deren höchste Erhebung nahezu 186 m erreicht. Nach Nord-Westen hin schließen sich der Scheideberg und der Mühlplan an. Der Ring der Hügel schließt sich nach Norden mit dem 133 m hohen Strellnschen Berg, der umgangssprachlich auch „Strellscher Berg“ genannt wird, und dem 127 m hohen Wachthübel nahezu ganz. Die letzten vier sind flache Hügel, entstanden aus den abgelagerten Endmoränen der Eiszeit. Dabei ist noch anzumerken, dass für den Wachthübel auch die Bezeichnung „Wachhübel“ gebräuchlich ist. 
In dieser „anmutigen, sanften Thalebene“, wie es die Chronik von 1841 beschreibt, liegen unsere Orte Röcknitz und Treben, jeweils 10 km entfernt von Wurzen und Eilenburg. Zehn Teiche, darunter der 8 ha große Kuhteich, ganz in seiner Nähe der ca. 6 qm große Findling („Riesenstein“), mehrere Quellen und kleinere Bäche sind hier zu finden. Eine der Quellen entspringt im Rittergut hinter der Scheune und versorgte seit Jahrhunderten Mensch und Tier mit frischem Wasser. So speist diese Quelle den Rittergutsteich, dessen Abfluss zum Park führt. All diese Gewässer suchen ihren Weg zum Schwarzen Bach, der seinen Anfang am ehemaligen Böhlitzer Neuteich (heutiges Freibad) nimmt. Der weitere Verlauf führt durch den Gänseteich Richtung Röcknitz. Unter dem Rittergutshof hindurch, heute zum Teil verrohrt nimmt er seinen Weg unter der 1997 neu entstandenen Brücke in Richtung Treben. Der Schwarze Bach fließt am Unterteich vorbei, speist diesen allerdings nur mit einer geringen Wassermenge. Dann schlängelt er sich an den „Torflöchern“ und am „Winkelholz“ vorbei, durchfließt die ehemalige sächsisch-preußische Grenze in Richtung Schöna-Audenhain, vereint sich vor Torgau mit dem „Schwarzen Graben“ und fließt letztendlich in die Elbe.
Die Bodenbeschaffenheit ist hier sehr unterschiedlich, bedingt durch die Feuchtigkeit einerseits und die Sandhügel andererseits. Die Bauern merken es deutlich an ihren Ernteerträgen, da diese in direktem Zusammenhang mit den Bodenwerten stehen. Fest steht jedenfalls, dass die Röcknitzer Böden wesentlich ertragreicher sind als jene in der Trebener Flur. Die Ursache liegt in den hohen Sandanteilen im Trebener Endmoränenboden. Diese Bodenbeurteilung war auch für die spätere landwirtschaftliche Großraumwirtschaft ausschlaggebend.

Vorgeschichte

 

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Unsere Geschichte beginnt nachweislich mit der „Eisenzeitlichen Höhenbefestigung auf dem Burzelberg bei Hohburg, Landkreis Wurzen", wie uns die „Archäologie aktuell“ von 1993 im Bericht des Reinhard Spehr aufzeigt. Auf dieser am Nordrand der Hohburger Berge gelegenen Erhöhung, die über 217 m hoch ist, befand sich die bisher einzige ergrabene latènezeitliche Befestigung Sachsens. In der zeitlichen Zuordnung befinden wir uns damit 400 vor Christi. Auch die damaligen Gebiete unserer heutigen Heimatorte gehörten zu dem Einzugsbereich dieser Befestigungsanlage. Die Kenntnis dieser Bautechnik wurde aus dem Mittelmeergebiet in den Raum nördlich der Alpen vermittelt und ist dort von der Späthallstatt- bis zur Spätlatènezeit nachgewiesen. Nach einem Brand im 4. / 3. Jahrhundert v.Chr. wurde die Burg wieder hergerichtet. Im 1. Jahrhundert v.Chr. fiel die Anlage brach. Erst im 9. /10. Jh. nach Chr. suchten die Slawen sie wieder auf. Vom 13. bis 15. Jahrhundert, als die Hussitenkriege hier wüteten, diente der Burzelberg den umliegenden Bauern als Zufluchtsort. Wie geeignet das Hochplateau als Siedlungsplatz war, zeigen auch Spuren einer jungsteinzeitlichen Freilandstation im Südostteil des Geländes.
Zwischen den Forschungsergebnissen vom Burzelberg und den Ausgrabungen am Strellnschen Berg, Wachthübel und Zwochau besteht eine enge Verbindung. Sowohl Röcknitz und Treben als auch der Ortsteil Zwochau liegen in einem Urstromtal zur Elbe. Die nach Norden und Nordwesten in flachen Hügeln abgelagerten Endmoränen der Eiszeit gehen allmählich in die Elbniederung über. Diese beiden Sandhügel benutzten die Menschen, die über Jahrhunderte hier lebten, als Grabstätten.
Dr. Hans Kaufmann vom Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden berichtete darüber im Rundblick 1981:
Anfang der 30er Jahre erbrachte die ehemalige Sandgrube am Südosthang des Strellnschen Berges nördlich von Treben, heute Ortsteil von Röcknitz, wiederholt urgeschichtliche Gefäße.
Unser Fundplatz befindet sich seiner geographischen Lage nach an der nördlichen Peripherie des Wurzener Landes.
Die vor rund einem halben Jahrhundert beobachteten alten Töpfe waren teilweise mit menschlichem Leichenbrand gefüllt. Sie erwiesen sich damit als Urnen und enthielten vielfach weiterhin Metallgegenstände. Zunächst hatte Oberlehrer E. Kretzschmar, Röcknitz, diese Bodenfunde mit Hilfe von Schulkindern in verdienstvoller Weise an sich genommen und aufbewahrt. Kurz vor seinem Tode wurden sie im Jahre 1976 dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden übereignet. Auf Grund ihrer Eigenart ergibt sich eine Trennung der Altsachen in zwei Gruppen. Hiervon stammt die eine aus der Bronzezeit, so etwa um 1000 v. u. Z. und ist der sogenannten Lausitzer Kultur zuzuweisen. Die andere Fundgrube gehört an den Beginn der jüngeren vorrömischen Eisenzeit oder Latènezeit, das heißt in die Phase nach der Mitte des letzten Jahrtausends, so etwa 500 vor unserer Zeitrechnung.
Jener Niederschlag der materiellen Kultur wird der sogenannten Jastorfzivilisation zugeschrieben, deren Träger man auch in unserer Heimat als früheste Germanen bezeichnen kann.
Beim Sandabbau ist demnach ein Urnenfeld angeschnitten worden, das zwei Belegungsphasen dokumentiert. Es markiert einen alten Bestattungsplatz an der bezeichneten Fundstelle, wie es in der kleinen Karte auf der vorangegangenen Seite ersichtlich ist. In der entwickelten Bronzezeit war es üblich, die Urne noch mit Beigefäßen zu umgeben. Weitere bronzezeitliche Gräber in der Flur Treben sind 250 m nordöstlich der genannten Sandgrube sowie vom Wachthübel nachgewiesen. In letzterem Falle handelte es sich ursprünglich um Grabhügel, die jedoch im Zuge der landwirtschaftlichen Arbeiten eingeebnet worden sind.
In der vorrömischen Eisenzeit hat man die Toten bei uns gleichfalls verbrannt und die Asche in Urnen beigesetzt. Diese wurden häufig mit einer aufgestülpten Schale verschlossen. Außer dem Leichenbrand wurden jetzt oft Schmucksachen oder Kleidungsbestandteile des Verstorbenen beigegeben. Zu den gefundenen Sachen zählen bronzene Hals- und Armringe, ein Gürtelhaken, mehrere Fibeln, Teile von Kettchen und ein Gürtelblech, alles Schmuck, der auf der Kleidung getragen wurde.
Das mit Abstand bemerkenswerteste Schmuckstück unter den Grabfunden von Treben, wie es in der obigen Abbildung zu sehen ist, verkörpert zweifellos ein bronzenes Gürtelblech mit Perlstich-, Ringbuckel- und Leistendekor. Obwohl schlecht erhalten – es ist in fünf Teile zerbrochen, dazu stellenweise ausgebrochen und rissig, außerdem verbogen bzw. verbeult – liegt es im großen und ganzen doch vollständig vor. Das 47 cm lange und bis 9 cm breite Stück ist tiefgrün patiniert. In dieser Eigenart stellt es das einzige Exemplar dar, welches bislang aus Sachsen bekannt geworden ist.

Besiedlung

 

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Unser erster König, der Herzog von Sachsen, Heinrich I. , regierte in der Zeit von 919 bis 936. Er ließ als Schutz gegen die Sorben im Jahre 929 die Burg Meißen errichten. Trotz seiner Feldzüge gegen die Sorben entstand ein friedliche Miteinander in dieser Region.
Unter König Otto I., der in der Zeit von 936 bis 973 regierte, begann die Christianisierung. Bis zum Jahr 1000 soll zumindest westlich der Elbe die ganze sorbische Bevölkerung getauft und damit äußerlich in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen worden sein. Nach der Unterwerfung der Gebiete begann schrittweise ein weiterer Ausbau des Landes, an dem zunächst nur die sorbischen Siedler beteiligt waren. 
In den ersten Jahrhunderten nach Christi spielten die Hermunduren oder Elbgermanen eine wichtige Rolle. Ein Teil von ihnen blieb als Siedler hier in unserer Gegend. So etwa ab dem 6. Jahrhundert nach Christi ließen sich die slawischen Bevölkerungsgruppen hier in der dünnbesiedelten Gegend nieder. In friedlicher Gemeinschaft entstanden in der Offenlandschaft, so werden die kleinen freien Gebiete zwischen Wald und Wasser bezeichnet, unsere Dörfer.
Im 10. Jahrhundert gehörte das Gebiet um das heutige Röcknitz zur Markgrafschaft Meißen in den slawische Kleingau Neletici. 
In dem von Karlheinz Blaschke bearbeiteten „Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen“ sind Röcknitz und Treben bereits im Jahre 1062 genannt. Da aus dieser Zeit von den beiden Orten, die sich „Rosnelizi“ bzw. „Trebeni“ nannten, keine schriftlichen Erwähnungen vorhanden sind, ist diese Aussage nicht bindend.
Ab dem 12. Jahrhundert wirkten deutsche Siedler am Ausbau des Landes mit. Überall dort, wo es bereits Burgen gab, in Püchau 906, in Wurzen 961, in Magdeborn 970, oder wo in den folgenden Jahrzehnten weitere entstanden, begann man mit der Errichtung von Kirchen. Um 1150 wurde die Gegend zwischen Leipzig und Dresden immer mehr von Sachsen und Flamen besiedelt, die aus dem Nordwesten kommend nun auch in Richtung Süden und Südost vordrangen. Aus Südwesten strebten die Franken in die hiesigen Gebiete und direkt aus Westen kamen die Hessen und die Thüringer. Die Entwicklung auf dem Gebiet des heutigen Sachsens ging so stürmisch voran, dass sich im Zeitraum von 1100 bis 1300 die Bevölkerung nachweisbar vervierzigfacht hat. In diesem Zeitraum entstanden etwa 4.000 neue Dörfer. Das ist die Folge davon, dass viele deutsche Bauern aus den westlichen Teilen des Reiches in unser Gebiet strömten. Über die Entwicklung des Kollegiatstifts Wurzen zwischen 1150 und 1200 ist noch einiges mehr durch die Überlieferungen bekannt. So vergrößerte sich die Siedel- und Anbaufläche in diesen 50 Jahren von 30 % auf 70 %. Das hatte jedoch auch zur Folge, dass sich die Waldflächen von 60 % auf 20 % reduzierten. Dagegen war bei der Bevölkerung eine Steigerung auf das 6- bis 8-fache zu verzeichnen. In den Jahren 1283 und 1284 wurden die Grenzen des Wurzener Stiftsgebietes neu festgeschrieben. Die Größe des damaligen Gebietes betrug ungefähr 280 km². In unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Grenzfestschreibung standen die Ersterwähnung von Treben, Thammenhain, Heynrichsdorf und anderen umliegenden Orten.

Erst-
erwähnung

 

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Röcknitz und Zwochau wurden am 12. Juni 1300 erstmals urkundlich erwähnt. Das Original der Urkunde von Röcknitz und Zwochau ist leider verschollen. Aus den „Diplomatischen Nachrichten über das ehemalige Jungfrauenkloster Marien-Pforte zu Sitzenroda“ von 1773 Nr. IV Seite 48 und 49 ist jedoch bekannt, dass eine Urkunde vom 12. Juni 1300 existiert. In dieser Urkunde heißt es:
"... schenken Katharina, Witwe des Johannes von Brandis, und Heinrich von Brandis dem Kloster Sitzenroda eine Mark jährlichen Zinses im Dorf Zwochau bei Röcknitz...". So lautet die Übersetzung. Im lateinischen Original heißt es: „... in villa Soch prope Rockenitz ...“.

Vom Sächsischen Staatsarchiv Dresden liegt eine Bestätigung vor, dass Röcknitz und Zwochau am 12. Juni 1300 erstmals schriftlich in einer Urkunde erwähnt wurden, die im ehemaligen Jungfrauenkloster Marienpforte zu Sitzenroda bis zu dessen Zerstörung aufbewahrt wurde.

Wüste
Marken

 

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Die „Wüsten Marken“ gehören seit Jahrhunderten zu Röcknitz, Treben und Zwochau. Unter dieser Bezeichnung haben wir keineswegs ödes, nutzloses Land zu verstehen, sondern ehemalige Ortschaften. Sie wurden aus wirtschaftlichen Gründen und in Notzeiten verlassen oder vielleicht auch in schlimmen Kriegszeiten zerstört. Die zurückgebliebenen Fluren wurden damals und werden heute noch von den umliegenden Bewohnern bebaut bzw. genutzt.
Die Wüste Mark Hennersdorf, die 1284 mit dem Namen Heynrichsdorf erwähnt wurde, war bereits im Jahre 1465 wüst. Der nördlich von Zwochau existierende Hennersdorfer Berg zeugt noch heute von der im Thammenhainer Holz gelegenen Ortschaft. Sie ist wahrscheinlich während der Hussitenkriege, die von 1429 bis 1432 stattfanden und auch unsere Gegend streiften, zerstört worden.
Ebenfalls im Jahre 1465 wurde von der „wüstenei Czoch“, dem heutigen Zwochau, berichtet. In dem genannten Jahr bezog Hans von Broda 14 Groschen Jahreszins aus Czoch. Er wurde auch Brade genannt und war Rittergutsbesitzer auf Röcknitz und zur damaligen Zeit Dorfrichter. Noch im Jahre 1540 war dieser Ort wüst und gehörte zur Parochie Hohburg. Erst 1542 wurde Zwochau als Vorwerk mit einigen Häuslergütern wieder aufgebaut.
Erwähnenswert ist ebenfalls die Wüste Mark Boygen: „Boyan silva sie dicta“- die Bogenmark. Wem diese südlich von Röcknitz befindliche Holzmark zwischen dem Löttigberg und dem Streitberg zustand, besagt leider das Lehnsregister nicht. Die Boygenwiese und einige Feldstücke an „Alex Eichen“ wurden von Röcknitz bewirtschaftet.
Letztendlich soll auch die Wüste Mark Doleniken nicht unerwähnt bleiben. Der slawische Ursprung ist deutlich erkennbar. So hieß dieser Ort auch Döllnik oder Doleken, was soviel wie „Tiefendorf“ bedeutet. In einer Karte von 1818 sind die „Dölkner Leeden und Felder“ verzeichnet. Das ist auch ein weiteres Zeichen dafür, dass die Schreibweisen in der damaligen Zeit sehr unterschiedlich waren. Geographisch ist diese ehemalige Ortschaft zwischen Löttigberg und Frauenberg einzuordnen. Die rundherum gelegenen Fluren wurden sowohl von Röcknitzer als auch von Großzschepaer Bauern bewirtschaftet. Aus dem Lehnsregister ist uns bekannt, dass Georg von Wahren, 2. Rittergutsbesitzer auf Röcknitz, im Jahre 1495 35 Groschen Jahreszins aus dem Orte Döleniken erhielt. Diese Lehnsrechte gingen später durch Kauf auf Bischof Johann VI. über.
                                            

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