Kirchengeschichte in Wort und Bild

1150-1499

1500-1599

1600-1699

1700-1799

1800-1899

1900-1999

2000-


1150 bis 1499

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Ungefähr im Jahre 1150, mitten im Zeitalter der Romanik, wurde das erste Gotteshaus in Treben auf ehemals slawischem Boden errichtet. Das Bauwerk, das aus Findlingen bzw. Feldsteinen errichtet wurde, bestand zunächst aus dem Kirchenschiff, dem quadratischen Chorraum mit aufgesetztem Turm, der halbrunden Apsis und dem Sakristeigewölbe mit schrägem Dach an der Nordseite. Der Altar stand in der Apsis. Zum Sakristeigewölbe gibt es noch anzumerken, dass die Decke mit einer Tonnenwölbung ausgeführt wurde. Der Taufstein mit seinen romanischen Ornamenten, der unterhalb der Kanzel steht, stammt wohl aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Im Jahre 1416 wurde die große Glocke für den Röcknitzer Kirchturm gegossen. Zu dieser Zeit hatte die Röcknitzer Kirche zwei Eingänge. Der eine, der auch noch heute benutzt wird, liegt an der Südseite des Kirchenschiffes und war für die Röcknitzer Kirchgänger bestimmt. Der andere an der Nordseite gelegene und für die Trebener bestimmte Eingang ist heute zugemauert. 

1500 bis 1599

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Anfang des 16. Jahrhunderts gab es an der Röcknitzer Kirche umfassende Veränderungen. Auf Anweisung von Bischof Johann von Saalhausen, der 37. Bischof von Meißen, der während seiner Amtszeit auch einen großen Einfluss auf die Erneuerung der Röcknitzer Kirche hatte, wurde im Jahre 1508 die kleine Apsis abgebrochen und durch eine größere Altarhalle ersetzt. Die Decke errichteten spezialisierte Bauleute unter Verwendung der rippenlosen Wölbtechnik der Zellengewölbe. In der Nordseite der Altarhalle wurde ein Sakramentshäuschen eingebaut. Noch heute ist die Jahreszahl 1508 deutlich erkennbar. Der Flügelaltar stammt aus katholischer Zeit. 1517 erhielt unser hiesiges Gotteshaus zum Kirchweihtag (Nikolaustag) den Namen St. Nikolaus. Im Jahre 1529 wurde Treben nach Röcknitz eingepfarrt. Aus dieser Zeit stammt auch das Dreisitz-Gestühl im heutigen Turmraum, dass ehemals ein viersitziges war. 1534 war laut Aussage der Kirchenchronik der ehemalige Augustinermönch Johann Petzensteiner aus Nürnberg Pfarrer in der Röcknitzer Kirche St. Nikolaus. Er war auch unter dem Namen Zacharias bekannt.1542 wurde im Wurzener Land die Reformation, die Glaubenstrennung, eingeführt und Franziskus Pfeiffer aus Torgau war der erste lutherische Pfarrer von Röcknitz. Von diesem Zeitpunkt an wurde Röcknitz dem Amt Torgau unterstellt. Das Kirchspiel Böhlitz – Collmen kam zu dieser Zeit vom Patronat Wurzener Domstift unter landesherrliches Patronat. Deshalb war der Röcknitzer Pfarrer gleichzeitig auch der von Böhlitz und Collmen. Dies blieb auch über 330 Jahre so, obwohl sich die Böhlitzer und Collmener mehrfach dagegen wehrten. Im Jahre 1575 brannte die Pfarre in Röcknitz vollkommen nieder. Der Brand war so verheerend, dass zwei Jahre lang kein Pfarrer hier ansässig war. Dieser Brand verschlang auch die Lehensbriefe, so dass vom Kurfürsten das Patronatsrecht eingezogen wurde und dem damaligen Rittergutsbesitzer verloren ging.

1600 bis 1699

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Aus dem Jahre 1616 liegen die älteste Kirchenrechnung und ein Kirchstuhlregister vor. Der Dreißigjährige Krieg traf damals auch unsere Gegend. Im März 1637 brannte die Röcknitzer Pfarre nochmals ab. Dieser Brand verschlang leider auch die Kirchenbücher. Dem damaligen Pfarrer Christian Kretzschmar, der erst 1634 hierher gekommen war, wurde das gesamte Vieh genommen. Um den Schikanen der Schweden zu entgehen, floh er und kam dabei ums Leben. Die abgebrannte Pfarre wurde erst 18 Jahre später wieder aufgebaut. Die Ursache dafür lag nicht an dem hohen Zerstörungsgrad, sondern vielmehr an der Armut der Kirchgemeinde. Der Dreißigjährige Krieg hatte solchen Schaden angerichtet, dass 1646 in Röcknitz und Treben nur ein Kind geboren wurde. Auch in den Folgejahren waren es jeweils nur 4 oder 5 Geburten, ehe die Menschen in unserer Gegend wieder neuen Lebensmut fassten. Als Folge der Vernichtung der Kirchenbücher durch den Brand von 1637 in der Pfarre zu Röcknitz wurden erst 1646 ein neues Taufregister, sowie im Jahr danach ein neues Trau- und Sterberegister angelegt. Im Jahre 1655 begann der mehrjährige Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Röcknitzer Pfarre. Durch die Kriegseinflüsse von 1618 bis 1648 war der Kirchturm, besonders aber das Dach des Kirchenschiffes, sehr baufällig geworden. Es hatte hineingeregnet und geschneit, so dass das Holzwerk teilweise verfault war. 1663/64 sollte deshalb das Kirchendach abgetragen und von neuem aufgebaut werden. Am 16. Dezember 1663 verwüstete aber ein großer Sturm den Kirchturm noch mehr. Dabei stürzten die mittlere Glocke und das Uhrwerk herab. Erst 1668 wurden die fünf Jahre vorher begonnen Aufbauarbeiten zum Abschluss gebracht. Der damalige Pfarrer Keilenberger wusste über die Aufbauzeit der Kirche zu berichten, dass der Kurfürst Johann Georg II. einiges Bauholz aus dem kurfürstlichen Forst von Wildenhain bewilligte. Die Gesamtkosten des Aufbaues betrugen 533 Taler. Der Gottesacker der Röcknitzer Kirche auf dem hiesigen Kirchberg war zu dieser Zeit noch nicht von einer Mauer umgeben. Pfarrer Keilenberger schrieb dazu in seinem Visitationsbericht folgendes: ..., daher alles Vieh hinauf läufet, die Schweine drauf laufen und wühlen und der Kirchhof nicht wie ein Kirchhof, sondern mit Ehren zu melden, wie ein Viehanger aussieht. Im Jahre 1688 erhielt die Röcknitzer Kirche die erste Orgel. Sie war eine Schenkung des Joachim von Plötz. 1689 bekam das Taufbecken in der Kirche einen zinnernen Einsatz. Er wurde, wie die Inschrift sagt, von „Barbara Richterin Wwe. und Andres Matthes dem Jüngeren“ verehrt. Am 22. November 1692 kam nach 117 Jahren das Patronatsrecht des Rittergutes über die Kirche vom Kurfürsten nach Röcknitz zurück. Zwischen 1696 und 1698 führten zahlreiche bauliche Veränderungen an der Röcknitzer Kirche zum noch heute sehr prägnanten Aussehen. Das Schiff der Kirche bekam jetzt seinen hohen, spitzen Dachstuhl. Dabei entstand die Kassettendecke des Schiffes mit dem von West nach Ost durchlaufenden großen Unterzug, der seinerseits mit mehreren eisernen Klammern an den Dachstuhl angehängt ist. Dieser Unterzug wurde zusätzlich von zwei hohen Holzsäulen gestützt, von denen eine noch durch die Orgelempore führt. Die andere stand vorn mitten in den „Weiberstühlen“. Diese Holzsäule wurde im 19. Jahrhundert entfernt, ohne dass ein Schaden am Dachstuhl zu bemerken war. Um noch einmal auf die „Weiberstühle“ zurückzukommen – diese hießen so, da dort die Frauen Platz zu nehmen hatten. Der Kirchturm wurde um das Doppelte erhöht, so dass dieser nun eine Gesamthöhe von 39 m auswies. Dem quadratischen unteren wurde ein achteckiger Teil aufgesetzt, der ebenfalls mit starken Mauern ausgeführt wurde. Darauf fand der schiefergedeckte Helm mit der auffällig hohen Spitze seinen Platz. Die drei damals vorhandenen Glocken wurden vom niedrigen in den erhöhten Turm übernommen. Der Kirchturm erhielt eine neue Kugel mit Wetterfahne, wie sie von der Form her auch heute noch existiert. Auf die Sakristei an der Nordseite wurde ein neues Geschoss aufgesetzt, das drei rechteckige Butzenscheibenfenster erhielt. Durch die Verbreiterung konnte ein schmales Treppenhaus eingebaut werden, von dem aus zur Chorhalle ein neuer Durchgang gebrochen wurde. Der neu entstandene Raum diente als Herrschaftsloge mit Öffnung nach der Kirche unter einem den Turm tragenden großen Rundbögen. In dieser Loge befand sich das auf Holz gemalte Doppelwappen der Familien Plötz und Birkholz, das heute im Kirchenschiff an der Nordseite hängt. Im Jahre 1698 stiftete Joachim von Plötz, der sich nun auch „Königlicher Polnischer und Kursächsischer Kammer- und Bergrat in Röcknitz und Treben“ nannte, die reichgeschnitzte Kanzel für die Kirche. Auf der Innenseite der Kanzeltür stehen Luthers Worte an Matthesio. Zitat: „Wann ihr sehet, daß euch die Leute mit großer Lust und Ernst zuhören, so beschließet, einandermahl kommen sie desto liber wieder.“ Dies sollte auch heute noch jeder Prediger beachten. Eine Inschrift über dem Aufgang der Kanzel besagt folgendes. Zitat: „Aus Gütigkeit des Herrn Landkammerraths Joachim Plötz auf Röcknitz und Dröben ist diese Kanzel gestiftet - AN 16 98 NO“ - (das Wort „Landkammerraths“ ist dabei entsprechend der alten Schreibweise mit einem „m“ und dem Querstrich darüber geschrieben). Im gleichen Jahr wurde gegenüber der Kanzel auf der Nordseite der Turmhalle die herrschaftliche Kapelle mit dem Wappen der Familie von Plötz und von Birkholz für die Rittergutsfamilie angebaut. 

1700 bis 1799

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Am 1. Mai 1719 brannte die Röcknitzer Pfarre samt Scheunen, Schuppen und Ställen ein drittes Mal ab und wurde erst nach 5 Jahren wieder aufgebaut. Die Stallungen hinter der Pfarre wurden jedoch nicht neu errichtet. Auf diesem Gelände entstand der noch heute zum Teil vorhandene Garten und kleine Park. 1734 wurde auf Kosten der Gemeinde eine neue Orgel für die Kirche in Röcknitz angeschafft. Sie hatte einen Preis von 66 Talern. Drei Jahre später, nämlich 1737, wurde unter der Leitung von Johann Heinrich Lippold, der Meister und Bürger von Wurzen war, für 67 Taler eine abermalige Kirchturmreparatur ausgeführt. Der Siebenjährige, auch der 3. Schlesische Krieg genannt, der 1756 bis 1763 ausgefochten wurde, brachte erneut Unglück und Verderben über die Menschen in der hiesigen Gegend. Im Jahre 1759 kam erneut eine Welle von 120.000 Preußen mit 50.000 Pferden über Sachsen. Für Röcknitz und Treben brachte dieser Krieg besonders in der Zeit von August 1758 bis November 1761 starke Belastungen und hohe Abgaben mit sich. So war es nicht verwunderlich, dass sich am 21. März 1763 viele Einwohner an der Röcknitzer Kirche zusammenfanden, um ein Dankfest zu Ehren des „Hubertusburger Friedens“ zu feiern. 1783 wurden neue Kirchenbänke eingebaut. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde die Nordtür im Kirchenschiff zugesetzt. Im Jahre 1796 stellte der Torgauer Orgelbauer Flemming eine neue Orgel auf, erhielt dafür die alte und bekam zusätzlich noch 120 Taler aus der Kirchgemeindekasse.

1800 bis 1899

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Die mittlere Glocke der Röcknitzer Kirche wurde 1802 neu gegossen und kostete 100 Taler. Bis zur Landesteilung im Jahre 1815 gehörte das Kirchspiel Röcknitz zur Ephorie Torgau. Anschließend kam es zur Stiftssuperintendantur Wurzen. Zunächst war es jedoch völlig ungewiss, ob unsere Orte sächsisch bleiben oder preußisch werden würden. Unterdessen nahmen sich die preußischen Behörden diese Zugehörigkeit heraus. „Der zu Röcknitz wohnende Pfarrer Heeke, der den Genuß zweier wirklicher Pfarreien, (Röcknitz und Böhlitz) hatte und auch doppeltes Steuerbenefizium bekam, war deshalb über ein Jahr lang halb ein preußischer, halb ein sächsischer“. Als Treben und Röcknitz nun doch offiziell an Sachsen fiel, wurde die Parochie provisorisch der entfernten Inspektion Oschatz zugewiesen. 1835 erfolgte wiederum eine Ausbesserung des Kirchturmes. Die Turmhaube wurde abgenommen und völlig neu errichtet. Um das Jahr 1840 entstand die Leichenhalle. 1858 wurde das Innere der Röcknitzer Kirche renoviert. Es erfolgte eine  Vergrößerung der Emporen, um mehr Sitzplätze zu schaffen, eine Haupterneuerung des Turmes mit Erweiterung der Fenster und eine fast ganze Erneuerung der Kirchhofsmauer. Die Kosten beliefen sich auf 847 Taler und 17 Groschen. Die Kirchturmausbesserung von 1835 wurde so schlecht ausgeführt, dass bereits im Verlauf des Jahres 1864 der ganze obere Kirchturmteil neu gebaut werden musste. So mussten wiederum 555 Taler aus der Kirchgemeindekasse abgezweigt werden, um die Schäden zu beseitigen. Im Jahre 1866 wurde in Treben unter Leitung vom Maurermeister Jahn die „alte“ Kirchschule fertig gestellt. Noch heute ist die damals angebrachte Inschrift „Lasset die Kindlein zu mir kommen - 1866“ gut lesbar. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Kinder unserer beiden Orte, einschließlich der Zwochauer Kinder, im heutigen Haus der Familie Schubert in der Lindenstraße 11 unterrichtet. Dieses Gebäude steht quer zur Straße, rechts neben der „alten“ Kirchschule, und enthielt zur damaligen Zeit nur einen einzigen Klassenraum in der Osthälfte.
Anmerkung: Da das Rittergut Röcknitz das Patronat über Kirche, Schule und Gerichtsbarkeit besaß, nannte sich die hiesige Parochie auch „Parochie Röcknitz“, obwohl Röcknitz und Treben getrennte politische Gemeinden waren und Kirche sowie Schule sich in Treben befanden. So waren Röcknitz, Treben und Zwochau zu diesem Zeitpunkt im Kirchspiel, in der Schulgemeinde und im Ortsarmenverband vereinigt.
1874 wurde unter Leitung des Maurermeisters Oskar Jahn das neue Pfarrhaus neben der „alten“ Kirchschule errichtet. Vorher kam es zum Abriss der alten Pfarre und der baufälligen Wirtschaftsgebäude. Der Gesamtumfang der Kosten belief sich auf 4.800 Taler. Ebenfalls im Jahr 1874 trennten sich die Wege der Kirchgemeinden Röcknitz und Böhlitz, da letztere eine eigene Pfarre erhielt. Im Jahre 1876 schenkte Frau Dr. Seeburg aus Leipzig der hiesigen Kirchgemeinde ein Bild, welches für den Altaroberbau bestimmt war. Dieses Bild, das sie selbst gemalt hat, ist eine Kopie der Himmelfahrt von Giotto. Zum 31. Dezember 1878 wurde die Stiftssuperintendentur Wurzen, die bis dahin 336 Jahre bestand, aufgehoben und mit Grimma vereinigt. Somit gehörte nunmehr auch die Parochie Röcknitz zur Ephorie Grimma. Der Herr von Wächter, Rittergutsbesitzer und Sohn des berühmten Juristen Prof. Dr. jur. phil. Karl Georg von Wächter, schenkte 1880 der Kirche ein Altarkruzifix aus Bronze. Es gibt Grund zu der Annahme, dass der Anlass dieser Schenkung in der Beerdigung des Karl Georg von Wächter in Röcknitz zu finden ist. 1883 wurde die Kirchenmauer repariert und mit Altenbacher Tonplatten belegt. Im Jahre 1888 legten Herr und Frau von Wächter auf Röcknitz den Grund für einen Orgelbaufonds. Bis zum Jahre 1895 gehörte Zwochau noch zur Parochie Hohburg. Da der Weg über den Kieselsteinberg und über den Eichberg jedoch recht beschwerlich war, wurde angestrebt, dass Zwochau der Parochie Röcknitz zugeordnet wird. Das gelang erst ab 01. Januar 1896 und auch nur, weil von den Geldern der Parochie Röcknitz 3.000,00 Mark Entschädigung für die „verlorenen Schäfchen“ an Hohburg gezahlt wurden. Im Jahr 1898 wurden Malerarbeiten an den Wänden und Emporen ausgeführt. Diese Arbeiten zogen sich bis in das Jahr 1899 hinein. Etwa zeitgleich wurde auf Anregung des Professor Dr. Cornelius Gurlitt der Altar restauriert.
 

1900 bis 1999

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Die Kirchturmkugel wurde am 21. April 1902 heruntergenommen und restauriert. Die Wetterfahne war völlig verrostet und defekt und der Turmknopf hatte ein fingergroßes Loch. Die Kirchturmnachrichten gaben damals wichtige Information über vergangene Ereignisse preis. Im Jahr 1908 erhielt die Röcknitzer Kirche eine neue Turmuhr mit Schlagwerk von Bernhard Müller aus Leipzig. Die Kosten betrugen damals 766,00 Mark. Die „Neue Sächsische Kirchengalerie“ der Ephorie Grimma berichtet über viele interessante Zusammenhänge der damaligen Zeit. So gab es 1910 in der Parochie Röcknitz 992 evangelisch-lutherische und 57 römisch-katholische Einwohner. Zu dieser Parochie gehörten das Dorf und Rittergut Röcknitz, das Dorf Treben, die Mark Zwochau und das Rittergut Zwochau. Territorial war Zwochau zu dieser Zeit dem Ort Thammenhain zugeordnet. Im Januar des Jahres 1911 wurde durch die Kirchgemeinde beschlossen, eine neue Orgel aufstellen zu lassen. Das übernahm dann Eduard Beyer aus Magdeburg. Die Finanzierung war dank des Orgelbaufonds, den Frau und Herr von Wächter 23 Jahre zuvor ins Leben gerufen hatten, gesichert. Der 1. Weltkrieg machte auch vor Deutschlands Kirchen nicht halt. Die Glocken der Kirchtürme wurden demontiert und zum Einschmelzen weggeschafft. So traf es im Jahre 1917 auch die Kirchgemeinde Röcknitz. Von den drei Bronzeglocken mussten die Mittlere (von1802) und die kleine Glocke (Taufglocke) abgeliefert werden. Das eingeschmolzene Material wurde für militärische Zwecke verwendet. Im Jahre 1922 wurden für die Röcknitzer Kirchgemeinde drei neue Glocken gegossen und zum Erntefest eingeläutet. Deren Klang begleitet uns noch heute im täglichen Leben. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang unser Oberläuter Kurt Sälzer, der bereits im Jahre 1922 als Läutejunge an dieser Einweihung beteiligt war. Die große Glocke mit der gotischen, vom Gießer spiegelbildlich angebrachten Inschrift, wurde 1923 verkauft, nachdem im Jahr zuvor das noch heute intakte Stahlgeläute angeschafft worden war. Mitte des Jahres 1923 ertönte zu einem Begräbnis die Orgel mit den neuen Orgelprospektpfeiffen, die aus Zink und mit Aluminiumbronze überzogenen waren, das erste Mal. Im Mai 1924 bekam die Kirche anlässlich der Jubiläumsfeier zum 25jährigen Bestehen der Hohburger Quarzporphyr-Werke AG in Röcknitz einen Altarteppich geschenkt. Im Jahre 1949 fand eine Kirchenreparatur durch die Firma Nitzschke statt. Zum 01. Januar 1966 wurde der Kirchbezirk Wurzen wieder aus dem Bereich Grimma ausgegliedert und bildete fortan eine eigenständige Superintendantur. Im September 1969 wurden Kugel und Wetterfahne des Röcknitzer Kirchturmes heruntergenommen, aufgefrischt und vergoldet. Das Vergolden übernahm eine Leipziger Spezialwerkstatt. Die Turmkugel hat eine ovale Form, einen Durchmesser von 50 cm und beinhaltet Kupfer- und Silbermünzen von 1864, 1900 und 1901 sowie Schriftstücke aus zwei Jahrhunderten. Aktuelle Zeitungen, Schriften über die kirchlichen Situationen und weitere Geldstücke wurden neu hinzugegeben. Der Kirchturm wurde ebenfalls im Jahre 1969 neu abgeputzt. Im November 1971 konnte nach der Renovierung die 6. Orgel in der Kirche eingeweiht werden. Im Herbst 1974 wurde der Altaroberbau dem inzwischen in Dresden restaurierten Altar aufgesetzt. Im Kirchenschiff wurden im gleichen Jahr Klinker ausgelegt. Das Innere des Kirchenschiffes erhielt frischen Putz und Anstrich. Aus der Kirche von Eythra, die dem Braunkohlentagebau weichen musste, erhielt die Röcknitzer Kirche im Jahr 1985 einige Bänke. Andere kamen aus der Wenceslaikirche Wurzen. 1991 wurde im Mittelschiff eine elektrische Fußbodenheizung installiert, die später noch mit einer Bankheizung ergänzt wurde. Im Oktober 1991 wurde durch eine Baufirma die Kirchenmauer erneuert und durch ABM-Kräfte das Spritzenhaus renoviert. 1992 entstand ein neues Friedensmahnmal am Hauptweg des Friedhofes mit der Inschrift „Den Toten aller Kriege und den Opfern jeglicher Gewalt“. 1993 begann der Bau der neuen Feierhalle für Trauerfeiern. Ebenfalls im Jahre 1993 wurden die Kanzel und das herrschaftliche Wappen restauriert. Zum Osterfest 1994 erfolgte die erneute Einweihung der Kanzel nach Abschluss der Erneuerungsarbeiten. Im Mai 1995 wurde die Röcknitzer Feierhalle fertiggestellt und ihrer Nutzung übergeben. Zur Sicherung der gesamten Kirche installierte eine Firma im Jahre 1995 eine Einbruchmeldeanlage. Am Morgen des 28. März 1997, Karfreitag, raste ein Sturm mit 125 km/h über Sachsen hinweg. Eine ältere Linde an der Süd-West-Spitze des hiesigen Gottesackers brach durch die Wucht des Sturmes um und zerstörte einen Teil der Friedhofsmauer. Sie wurde jedoch bald wieder aufgebaut – die Reste der alten Linde wurden beseitigt und an gleicher Stelle wächst und gedeiht bereits ein neues Bäumchen im alten Baumstumpf. Seit Advent 1997 gibt es wieder einen Kirchenchor, in dem zur Zeit nur jüngere Frauen singen. Seit 01. Januar des Jahres 1999 sind Röcknitz und Böhlitz wieder in einer Kirchgemeinde verbunden, so wie es bis vor 125 Jahren der Fall war. 

2000 bis

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Seit März 2000 werden die Glocken auch elektrisch geläutet. Dabei ist die Röcknitzer Kirche eine der wenigen, bei denen die Glocken auch noch mit der Hand geläutet werden können. 

Pfarrer Kurt Kobe wurde am 05.08.2001 u.a. mit einer Rede von Herrn Sperling in der Kirche Röcknitz verabschiedet. Pfarrer Carlitz übernahm daraufhin zunächst seine Vertretung. Traditionell fand am 07.04.2002 das Frühlingssingen in der Kirche statt. Der Posaunenchor und der Gemischter Chor Röcknitz e.V. traten dabei auf. Am 04.08.2002 erfolgte der Gottesdienst zur Pfarrer-Ordination von Frau Barbara Lötzsch.

Am 13. Oktober 2002 wurde die Grabstätte des Karl Georg von Wächter feierlich wiedereingerichtet. Dazu waren u.a. Frau Ministerin a.D. Annemarie Griesinger und Dr. Karl Römer - beide sind direkte Nachkommen von Karl Georg von Wächter - anwesend.

Mit der traditionellen Musik zum 1. Advent, gestaltet vom Posaunenchor und vom Gemischter Chor Röcknitz e.V., fand am 01.12.2002 ein weiterer kirchlicher Höhepunkt statt.

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